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Dual C 844 Deck

Ende der 70er Jahre zeichnete sich eine erste kleine Revolution im gehobeneren HiFi-Segment ab: die Bandmaschinen sollten zu Grabe getragen werden. Längst wussten viele Kinder schon nicht mehr, was Tonbandgeräte überhaupt sind, kannten sie doch nur Kassettenrekorder. Im Auto war der Siegeszug, der einstmals mit Sabas Bandmaschinen begann, vollzogen. Nur kamen die Kassettendecks noch nicht an die Bandmaschinen heran.

 
Eines der größten Mankos der Kassettendecks war ihr Rauschen. Nachdem Telefunken vergeblich sein wirklich erstklassiges HighCom lancieren wollte, rückte nun der lang ersehnte Nachfolger für das sog. Dolby B bzw. Dolby Nr nach: Dolby C. Seine technischen Eckdaten und auch sein klangliches Verhalten waren dem des HighComs zwar unterlegen, jedoch waren die Lizenzen für die Hersteller sehr viel billiger und das Dolby C war alles in allem auch nicht schlecht. Neben dem Rauschen machte aber auch die fehlende Dynamik den HighEnd-Decks einen Strich durch die Rechnung. Diesem Problem rückte man mit immer neueren Bandmaterialien zu Leibe, was schließlich in der Entwicklung des Metallbandes gipfelte. Außerdem gab es noch das Manko mit dem Frequenzgang, der beidseitig etwas eingeschränkter als bei Tonbandgeräten war. Allerdings muss man beachten, dass die Kassette nicht nur mit 4,76 cm/s gefahren wird, sondern auch das Band erheblich schmaler und dünner ist. Da Kassettendecks nahezu ausschließlich Viertelspurmaschinen waren, hatte man noch das Problem mit der Übersprechdämpfung...

Anfang der 80er Jahre hatte ich nun auch genug von Tonbandgeräten und wollte auf den neuen Zug aufspringen. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur 3 bezahlbare Kassettendecks überhaupt, die Dolby C bereits anboten - und ohne Dolby C sollte es nicht sein. Nach langer reiflicher Überlegung führte der Kaufentschluss zu einem Dual C 844. Schon die Vorgängergeräte wurden hochgelobt und waren Gleichlaufweltmeister. Die Geräte waren geradezu liebevoll durchdacht und ebenso ausgestattet. Aber der 844 schlug absolut alles.

Das Gerät war auf alle Bandsorten schaltbar: Fe, Fe1, Cr, CrII, FeCr und Metall, es hatte Dolby Nr, Dolby C und MPX, es hatte einen Leerstellen-Suchlauf, ein digitales Zählwerk -4stellig versteht sich-, welches mit allerlei Stopps programmiert werden konnte. So nebenbei gab es eine Mute-Funktion, Mischpult, Cinch- und Din-Anschlüsse, 3 Tonköpfe mit Monitor-Funktion. Als genialen Kompromiss zwischen VU und LED-Aussteuerung kombinierte Dual beides: es gab 2 großflächige und sehr präzise VUs, die mit Leuchtdioden für die Übersteuerungsanzeige kombiniert waren. Übrigens gingen die VUs runter bis -30 dB. Neben Grundigs VAC und Philips Post Fading bot Dual sein Fade Edit an, eine Funktion zum NACHTRÄGLICHEN weichen ein- und ausblenden verpfuschter Aufnahmen. Eine weitere wichtige Ausstattung, die dieses Gerät wirklich zu einer Seltenheit macht, ist die Gangschaltung: das Gerät konnte tatsächlich mit 9,5 cm/s arbeiten und erreichte dadurch Traumwerte, vor allem beim Rauschen. Nur wenige Geräte boten damals die Möglichkeit, auf 9,5 cm/s umzuschalten, mir fallen da Marantz und Braun ein. Eine Spezialität von Dual war die DLL-Technik: Direct Load & Lock: man konnte die Kassette einfach entnehmen, das Gerät reagierte sofort und schaltet auf Stop bzw. beim Einlegen wurde sofort auf Start geschaltet. Als Top-Gerät der Produktpalette gönnte man diesem Dual jedoch nicht die ausgeklügelte Mechanik sondern gönnte ihm zusätzlich 2 Lichtschranken, die links und rechts neben der Kassette jedes 'Eingreifen' sofort erkannten. 

Es ist unschwer zu erkennen, dass dieses Gerät auch japanische Eltern hatte. Dual hat hier wohl für den Gleichlauf und die Ausstattungsvorgaben gesorgt, den Rest hat die Firma ASAI gebaut. Die unverwüstlichen Köpfe kommen übrigens Canon.

Meine Erfahrung mit diesem Gerät, das bei mir wirklich nichts zu lachen hatte - 150 Kassetten sprechen eine deutliche Sprache -, ist eher positiv: wie bereits erwähnt, konnte man den Tonköpfen überhaupt nichts anhaben. In der gleichen Zeit mit genauso vielen Bändern bestückt, wäre jeder Tonbandgeräte-Tonkopf völlig ruiniert gewesen, diese Köpfe hingegen zeigten überhaupt keinen Verschleiß! Klanglich war das Gerät damals eher ein Akai unter den Kassettendecks: sehr hell, etwas Probleme mit der Dynamik, jedoch rauschfreier. Im direkten Vergleich zu einem Tonbandgerät müsste dieses Deck Federn lassen. Aber seine Vorzüge lagen im Preis von rund 1200 DM (~600 Euro) und seiner schnellen, einfachen Handhabung.

Keine Rose ohne Dornen und so zeigte dieses Gerät einige typisch asiatische Fehler, deren Behebung entweder sehr teuer wurde oder sogar unmöglich war. Auktionen im Internet beweisen, das die folgenden Mängel eher nicht die Ausnahme sind:

Ab und zu erzeugt das Gerät einen Brummton bzw. ein Pfeifen, das durch Klopfen am Gehäuse ein- und ausgeschaltet werden kann - ich bin nicht der einzige, der an diesem Phänomen gescheitert ist, der Fehler ist einfach nicht auffindbar. Am schlimmsten jedoch sind die Temperaturprobleme, die allerhand Ärgernisse nach sich ziehen. Grundsätzlich gilt: Gerät nicht länger als 2 Stunden betreiben. Werden die Laufwerksfunktionen häufig gewechselt, sollte man das Gerät nicht länger als eine Stunde betreiben. Hat das Gerät erst mal einen Hitzeschlag, so stellt sich dieser auch nach 2 Stunden ein: die einen Decks laufen dann Amok, d.h. sie schalten in kurzen Abständen alle Laufwerksfunktionen durch, das Zählwerk spinnt, zählt rückwärts beim Vorwärtsspulen usw. Oder das Gerät geht einfach auf Stop. Das Gehäuse ist dann sehr warm. Eine Reparatur kostete rund 450 DM. 

Die Frontplatte hingegen scheint eher in Deutschland bedruckt worden zu sein, denn die Beschriftung lässt sich wegrubbeln, was man beim Kauf eines Gebrauchtgerätes berücksichtigen sollte. 

An den Aussteuerungsregler bin ich sehr oft verzweifelt, war ich doch von Philips durch eine Kombination von beidseitigem Regler + Balance-Regler in 2 getrennten Knöpfen ziemlich verwöhnt gewesen, hier war es schwer, die Regler gegeneinander zu verdrehen, die Aufnahme litt unweigerlich darunter.

Nie benutzt habe ich z.B. den Timer-Schalter, die Set-Taste am Zählwerk, die Repeat-Funktion und auch die als Extra erhältliche Fernbedienung habe ich mir nicht gegönnt. Sie war einerseits mit über 200 DM sehr teuer und bestand obendrein aus einem hässlichen Empfänger und der Fernbedienung selbst. Das hätte man auch anders lösen können... Neben der Fernbedienung habe ich auch immer das Autoreverse vermisst. Was ich hingegen bei allen Tonbandgeräten vermisse, ist der Leerstellensuchlauf - für mich etwas, ohne das ich seit dem 844 nur schwer auskommen kann. Ich wüsste kein TB mit einer solchen Funktion. Erstaunlich, wie ideenreich eine vergleichsweise kleine Unternehmung wie Dual, die ja eigentlich Plattenspieler zu bauen hatten, auf einem 'fremden' Gebiet sein können.
Heute vermisst man manuelle Einmessmöglichkeiten: dei heutigen Bänder passen überhaupt nicht mehr zu den werksseitigen Einstellungen. Die freiliegende Kassette hat auch Nachteile: sie sollte hübsch aussehen, weil sie unweigerlich zum Teil der Gerätefront wird und Filzstift-Beschriftungen halt den Spassfaktor trüben und ihre Geräusche gibt sie ungedämpft an die Umwelt weiter. 

Es gab später das Deck C 846, ebenfalls mit Double Speed, jedoch ohne z.B. Fade Edit. Es war eine abgespeckte Version vom C 844-Modell, wenngleich sie auch in schwarz erhältlich war.

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