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Marios Philips Sammlung

Zum Thema PHILIPS Tonbandgeräte  von Mario

Ja, PHILIPS ist schlecht!

Ja, PHILIPS hat keine Qualität!

Ja, von PHILIPS bekommst du keine Ersatzteile mehr...

Warum also gerade PHILIPS Tonbandgeräte sammeln?

Weil die von PHILIPS immer schon gewusst haben, wie man schlechte Qualität optisch gut verpackt und dadurch meist besser verkauft. Oder wer denkt nicht, die sog. „Vollplastikbomber“ N7150 und N7300 hätten keine Metallfront?

So begann eben meine Sammelleidenschaft für PHILIPS Tonbandgeräte just in dem Moment, als ich zum ersten Mal die N4520 in einem toll gestalteten Prospekt sah. Die 4520 schien mir aber sowieso unerschwinglich und so war mein Ziel, zumindest eine N4450 irgendwo auf einem Flohmarkt zu ergattern. Aber anscheinend sind diese Geräte – obwohl in Österreich hergestellt – gerade in diesem Land schwerer aufzutreiben als in Deutschland. Paradoxerweise war gerade jene Maschine, die ich am einfachsten glaubte zu bekommen, die letzte große, die sich in meine Sammlung gesellte: die N4450, defekt und von Deutschland via Auktionshaus ersteigert.

 Womit wir beim Thema wären: Von meinen mittlerweile fast 30 Geräten funktionierte keines auf Anhieb ohne Mängel. Grund dafür mag auch sein, dass Österrreich - da Produktionsland – als sog. „Testmarkt“ herhalten musste. Erst die ausgereiften Produkte gingen in den Export. Im Detail möchte ich nur auf die drei „großen“ von PHILIPS (N4450, N4520 und N7300) und ihre Besonderheiten eingehen. Es kann nämlich meist auf den ersten Blick erkannt werden, ob es sich um frühe Versionen (von denen im Allgemeinen abzuraten ist) oder spätere handelt.
 

Anm.: die schwarze Philips 7300 ist offiziell eine 'Siera', deren Tonkopfabdeckung jedoch getauscht wurde - im Original ist die nämlich auch schwarz ;-)

N4520/4522: Einzige Serie, wo wirklich Qualität gebaut werden wollte (Masse 25 Kilogramm!)... Die 4520 besitzt wie alle 45xx Geräte keinen eingebauten Verstärker, wobei sich die 4522 hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass sie - neben der um 1969/71 erhältlichen PHILIPS PRO 12 - die einzige Stereo-Zweispurmaschine von PHILIPS ist. Hierbei wurden die Tonköpfe nicht von PHILIPS selbst sondern von der Münchner Firma WOELKE gefertigt. Als herausragendes Merkmal seien die Bandgeschwindigkeit von 38cm/s und das in Dezimetern geeichte Digitalzählwerk erwähnenswert, wobei nur die 4522 über einen Zählwerkspeicher verfügt, d.h. nach dem Einschalten einer N4520 erscheint immer Zählwerkstand 0000. Bei der N4520 wurde nur bei den späten Versionen ein Speicher für den Zählwerkstand eingebaut (sehr selten!). Verkauft wurde die N4520 zwischen Ende 1978 und 1984.

         Besonderheit meiner N4522 ist der siebente Kippschalter, mit dem wahlweise zwischen Halb- und Viertelspurwiedergabe umgeschaltet werden kann. Laut meinen bescheidenen Informationen (es wurden nämlich  bereits sämtliche Unterlagen der Entwicklungsabteilung vernichtet!) war dies zwar zuerst für die Produktion vorgesehen, wurde aber dann wegen des zu teuren vierten Tonkopfes doch nicht realisiert. Auch bei der N4520, die ja über ein Jahr früher auf den Markt kam, war die Hauptplatine schon für einen siebenten Kippschalter vorgesehen. Diesmal sollte jedoch die DOLBY Rauschunterdrückung eingebaut werden, was angesichts des guten Signal/Rauschabstandes aber auch wieder fallen gelassen wurde. So bleiben die einigen wenigen „Prototypen“ dieser Serie mit sieben Kippschaltern als interessantes Sammlerobjekt übrig...

         Abzuraten sei wiederum von frühen 4520 Maschinen, bei denen hauptsächlich die induktive Bandzugregelung noch nicht ausgereift war. Sie macht sich „hörbar“, vor allem bei niedrigster Bandgeschwindigkeit und großen Metallspulen. Erkennbar sind die frühen Ausführungen an den Einbuchtungen um die Tasten auf der mittleren Alublende. 


An dieser spanischen 'Siera' ist besonders interessant, dass sie zwar schwarz ist, jedoch die Knöpfe und Umlenkrollen silbern sind wie bei der 7300. Die österreichische Aristona hingegen hat schwarze Knöpfe und schwarze Kappen auf den Umlenkrollen. (Wie bereits erwähnt, ist die Tonkopfabdeckung nicht Original, sondern von einer Philips N7300).

N7300: Mit der für 18er Spulen ausgelegten N7150 die letzte PHILIPS Tonbandgeräteentwicklung, wobei anscheinend auf billigste Fertigung „Wert“ gelegt wurde, daher auch als sog. Vollplastikbomber bezeichnet. Produziert wurde diese Serie von 1980 bis 1984. Da das komplette Gehäuse (und Laufwerk!) aus Kunststoff gefertigt wurde, beträgt das Gewicht der N7300 gerade mal 11kg. Das N7300 ist als einziges Tonbandgerät von PHILIPS mit einer Pitch-Control, also variabler Bandgeschwindigkeit, ausgestattet.

         Die 7xxx Serie (7125,7150 und 7300) ist in Silber gehalten, wobei es einige (sehr seltene) 7300 Ausführungen in schwarz gab. Diese liefen jedoch unter der Bezeichnung SR4299 von Siera, ERRES oder ARISTONA und waren in Österreich nicht erhältlich. Typenbezeichnung der 7150 war SR4149. Ob sie in schwarz erhältlich war, ist mir leider nicht bekannt. In den Servicemanuals beider Alternativtypen waren jedoch für die Gehäuseteile keine Ersatzteilbestellnummern angegeben, was sowohl auf schwarz als auch auf rar schließen lässt.

         Zu den Haupt-Problemen: Bitte Temperaturschwankungen vermeiden (Kälte sowieso), da sonst jener Teil des Laufwerks bricht, der die Andruckrolle an die Capstanwelle drückt. Deswegen liest man bei Internetauktionen die häufige Fehlermeldung „Gerät läuft zu schnell, aber für Bastler sicher kein Problem...“. Einziges Problem bleibt nur, dass auch dieser Kunststoffteil nicht mehr erhältlich ist und sich auch nicht kleben lässt – zumindest bei meinen Versuchen nicht.


Die späteren Versionen sind meiner Meinung nach daran erkennbar, dass sie einen Umlenkstift links der Tonkopfabdeckung aufweisen. An und für sich gibt es aber bis auf das erwähnte Problem mit dem zum Abbrechen neigenden Plastikteil keine typischen Mängel bei der N7300, was eigentlich einer Kaufempfehlung gleichkommt...

 

N4450: Einzige PHILIPS mit Auto-Reverse, sowohl für Aufnahme als auch für Wiedergabe. Wie alle Geräte der 44xx Serie mit eingebautem Endverstärker, jedoch ohne Lautsprecher. Das wohl anfälligste PHILIPS-Tonbandgerät, da hier erstmals elektrische Tipptasten zur Verwendung kamen, jedoch die gesamte Elektronik (Digitaltechnik wie Flip-Flops etc.) diskret, sprich mit Transistoren, aufgebaut wurde.

         Optisch und technisch für die damalige Zeit (1971-75) sicherlich ein Meilenstein, denn die REVOX A700 gab es zumindest 1971 noch nicht (der Vergleich sei mir verziehen...). Der (notwendige!) Service ist durch den Aufbau mittels Steckmodulen und Fehlersuchbaum in dem Servicemanual relativ einfach zu handhaben.

         Abzuraten ist meiner Meinung nach von den ersten Geräten, die man am ehesten so erkennt: Der Zierrahmen in der Mitte der Front (um die Schiebeschalter und Tipptasten geführt) ist mit nur 6 statt später 10 Schrauben befestigt.

         Da der kühne Versuch gemacht wurde, ein Gerät zwar als semiprofessionell anzupreisen, jedoch dezent auf den ausschließlichen Gebrauch von Kunststoff-26er Spulen aufmerksam zu machen, lässt der Laufwerksaufbau auf  Riemenantrieb schließen. Richtig! Und wegen der mangelnden Langzeitqualität der PHILIPS-Riemen gibt es mit Sicherheit kein funktionstüchtiges Gerät mehr, das nicht zumindest einmal repariert worden ist...

Kontakt: Mario Ossou, Österreich