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Phono-Rex von Max Ihle 1

Diese Seite kann auch über http://www.phonorex.de.vu erreicht werden.

Sowohl das Gerät, als auch der Hersteller sind wenig unbekannt. Wer hier Licht ins Dunkel bringen kann - und seien es auch nur Kleinigkeiten - der sollte sich bei mir melden. Max Ihle gründete 1936 eine Firma "Handel mit gebrauchten Büromaschinen". Im zweiten Weltkrieg ausgebombt, verlagerte er seine Aktivitäten nach Marktschorgast und begann dort mit der Tonbandgeräte-Produktion. Zwischen 1948 und 1950 baute man zusammen mit Loewe-Opta und erhielt auch von dort die Tonköpfe. Wichtigster Mitstreiter war ohne Zweifel Dipl.-Ing. Woelke, der später die so wichtige Tonkopfschmiede Woelke gründete. So nebenbei fertigte man auch kleinere Bürogeräte, wie z.B. Addiermaschinen.

Nun erstmal zur Phonorex: Das Gerät wirkt im ersten Moment unauffällig, jedoch erkennt man sofort, dass hier größere Spulen verwendet werden können. Der max. Spulendurchmesser beträgt 25 cm - ein Maß, das seinerzeit bei den 'Amateur'-Geräten verwendet wurde. Eine weitere Besonderheit ist die Tonkopfabdeckung: sie wirkt wie Kunststoff, ist jedoch massiv Metall. Darunter befinden sich übrigens genügend Tonköpfe, um einen Reverse-Betrieb zu ermöglichen! Deckel und Teile des Gehäuses sind mit dickem Nadelfilz ausgeschlagen, was sicher Resonanzen abgefangen hat. Schaut man in das Gerät, so kommt man aus dem Staunen nicht heraus: ganze 3 massige Rundriemen sorgen für eine gleichmäßige Bewegung der Schwungmasse, ganz nach dem Motto: wenn einer reißt, sind's immer noch 2 :) Noch interessanter geht es am Motor zu: der Einmotorer kommt ohne Reibräder und aufwendige Mechanik aus. Auf der Achse des Motors gehen 3 Riemen wie erwähnt zur Welle, darüber einer zum linken und darüber einer zum rechten Teller und diese 3 Etagen können getrennt voneinander in Betrieb gesetzt werden. Genial!

Die Verarbeitungsqualität liegt weit über der der Revox B 36, welche ungefähr zur gleichen Zeit auf dem Markt war, die verwendeten Bauteile können sich mit denen der Revox durchaus messen. Insgesamt stellt sich hier die Frage, warum die Firma von der Bildfläche verschwand, denn mit so einem Gerät hätte es das Unternehmen verdient gehabt, in die Tonbandgeschichte einzugehen - und zwar allseits bekannt.










Zum derzeitigen Stand unserer Nachforschungen scheint es mind. 3 Versionen der Phonorex gegeben zu haben: eine Schulversion, die wie oben abgebildet einen grossen Lautsprecher im Deckel besass, eine Heimversion sowie eine Version ohne niedrige Bandgeschwindigkeit (nur 19,05 cm/s).

Hier der Auszug aus einer eMail, die mir vom Urheber freundlichst zur Veröffentlichung freigegeben wurde:

Wir besaßen eine originale ältere und eine etwas jüngere Version jener (Betriebs-)Anleitung, deren jüngere wohl mit einer der diversen Ersatzteilsendungen der Firma Max Ihle in unseren Besitz gelangte. In dieser jüngeren Betriebsanleitung waren gewisse Schaltungsmodifikationen vorgenommen worden, die vermutlich mit einer Bauartänderung der Tonkönfe einhergingen. Wir hatten diese Tonköpfe als Ersatz beschafft, stellten aber nach dem (fachlich qualifizierten) Einbau fest, dass abenteuerliche Frequenzgänge erzielt wurden, so dass die frequenzbestimmenden Glieder der Aufnahme- und/oder Wiedergabeverstärker geändert werden mussten. Es dürfte demnach also wenigstens zwei voneinander abweichende Serien des Phonorex gegeben haben, wie denn auch wenigstens drei voneinander abweichende Typen dieses Gerätes gebaut worden sein müssen...

Ihre Fotoserie (Anm.: s.o.) zeigt diejenige Bauart, die für Schulen (und Institute) konzipiert war (meine Volks-Schule in XY besaß zu meiner Zeit dort 1957-1962 wenigstens bis 1960/61 ein solches Gerät). Es enthielt kein eingebautes Mittelwellen-Audion, sondern offenbar eine Umblendanlage (Diode zu Mikrofon), einen zusätzlichen Lautsprecher im Kofferdeckel, einen Bandlängenzähler und zwei Handgriffe, die den Transport des schon in der Heimversion 22 kg schweren Bandgerätes erleichterten. Die Heimversion wurde mit einer Anschlusstafel für Bananenstecker und einem großen, dreipoligen Tuchelsteckeranschluss für den (hochohmigen) Mikrofoneingang geliefert, wogegen Ihre Version kleine Tuchelstecker/-buchsen aufweist. Im Übrigen wurde diese Schul-Version auch von der Beschallungsfirma XY, zeitweise als Zubehör von Übertragungsanlagen vertrieben.

Unsere Heimversion war in rotbraunes, genarbtes Kunstleder eingeschlagen, die Innenseite des Deckels war mit tiefviolettem Filz ausgelegt, dessen Übergang in das Kunstleder in den Deckelwinkeln durch eine gedrehte Kordel kaschiert war. Die beiden Wickeldorne senkten sich beim Schließen des abnehmbaren Deckels in zwei Filze, die beim Transport deren Auf-und-Ab-Rutschen auf der Achse verhindern sollten, zumal es nur einen einseitigen, schweren, optisch aber ungleich ansprechenderen Griff als den gab, der auf Ihren Fotos zu erkennen ist. Die Umblendregler Ihrer Version waren bei der Heimversion durch einen Abstimmungs- und einen Rückkopplungssteller des Mittelwellen-Audions ersetzt, das von mir als Kind aber lediglich zu Experimenten genutzt wurde. Ein Bandlängenzähler fehlte der Heimversion und war von meinem Vater nachträglich eingebaut worden, wie wir denn auch den Gleichlauf dadurch zu verbessern trachteten, dass wir den recht kräftigen, jedoch unruhigen Bandzug der gewichtsabhängigen Rutschkupplung durch zwei zusätzliche Beruhigungsrollen an beweglichen Armen (zwischen Umlenkrollen und Bandspulenrand) zu beruhigen versuchten.

Auf Ihren Abbildungen ist erkennbar, dass die beiden 50-Hz-Sperren vor den Kombiköpfen offenbar im Laufe der Jahre verloren gegangen sind. Zumindest auf den Fotos existieren nurmehr die Füße dieser Mu-Metallbleche, deren Klemmschraube man lösen und den Winkel der Abschirmungen auf Brumm-Minimum einstellen konnte.Die ursprüngliche Spurlage des (ja zwangsläufig halbspurigen) Phonorex erwies sich zu Beginn der Stereophase bzw. der Normierung der Halbspurlage für den  Amateur ca. 1958/59 (dass die RRG 1943/44 stereofone Versuchsaufnahmen auf Magnetband fertigte, wissen Sie ja sicher, ebenso, dass einige wenige dieser hochqualitativen Aufnahmen überdauert haben; ich besitze sie) als exakt falsch herum (links=1= unten, rechts=2=oben). Zum Umbau versandte Ihle eine hektografierte Umbauanleitung, die auch noch in unserem Besitz war. Anhand derer wurden die beiden mechanisch ansonsten identischen Kopfsysteme einfach vertauscht. Das klappte bei uns auch tadellos, das Bandarchiv jedoch musste umgespielt werden. Ich erinnere mich an diese tagelang währende Großaktion meines Vaters im Juni 1959, die letztlich auch das gesamte Archiv qualitativ ruinierte, weil die verwendeten, geliehenen Bandgeräte gemessen am Phonorex elektrisch wie mechanisch minderwertig waren.Mein Vater setzte dabei zwei große Bandgeräte verschiedener Hersteller ein, die durch die Dauerbelastung soweit in die Knie gingen, dass in beiden Fällen eine Werksüberholung der de facto neuen Geräte erforderlich wurde. Ich meine, es sei neben Grundig auch ein Telefunken-Gerät gewesen; die Erinnerung an das Grundig-Flaggschiff dieser Zeit (natürlich nur mit 18-cm-Spulen) ist sicher. Unser Phonorex lief danach aber noch bis 1965/66 so wie immer, theoretisch vielleicht auch heute noch, doch die ihn ersetzende G36 war mir bei weitem lieber....Ich habe den Phonorex bei einem Sturz einmal aus einer Höhe von ca. 80 cm flach auf den Boden fallen lassen, was er auch klaglos verdaute.Ihr Gerät ist -soweit ich das auf den Fotos erkennen kann- nicht umgebaut worden und besitzt noch heute die originale Spurlage, könnte aber gleichwohl eine Tonkopf- und Tonwellenreinigung mit Alkohol vertragen...Wir hatten unsere Rutschkupplungen etwas modifiziert, weil das ursprüngliche Verfahren der Ihle GmbH, die als Kraftüberträger genützten Filzpfropfen (10 mm Durchmesser) mit Graphit unter Druck zu tränken, keine Dauerhaftigkeit bewies. Mein Vater hatte deshalb Graphit mit Wasserglas angerührt und in massiven Tropfen auf die Filzpfropfen aufgebracht. Nachdem dieser 'Sandwich' getrocknet war, konnten die Pfropfen in die Wickeltellerunterteile eingedrückt und mit einer speziellen, aus Achsenstahl selbst gedrehten Schleifglocke auf horizontale Gleichmäßigkeit der Mitnahmefläche geschliffen werden. Dies führte zu einer enormen Verbesserung der Transportqualität und Bandlaufruhe. Später scheint auch Ihle zu einem solchen Verfahrten übergegangen zu sein, denn wir erhielten einmal unaufgefordert einen neuen Filzpfropfensatz nach dem geschildertem 'Verfahren XY', der sich aber als unbenutzbar erwies, weil das Gaphit-Bindemittel offenbar Fett enthielt; wir blieben also bei unserer Wasserglastechnik. Interessant ist auch, dass zur Erhöhung des Andruckes/Kraftschlusses des oberen Wickeltellers (im wesentlichen aus Aluminium, nur der Mitnahmeflansch war meiner Erinnerung nach aus Stahl) beim schnellen Vor- und Rücklauf ringförmige Elektromagnete in der Rutschkupplungskonstruktion aktiviert wurden. Die drei Riemen zwischen Motor und Tonwellenschwungmasse wurden deshalb eingesetzt, weil die Tonwellen/Schwungmasseneinheit zwei Lagerungen besaß und die Antriebsriemen deshalb im Gerät zu schweißen waren. Der Schweißwulst musste dann mit der Klinge abgenommen werden, was aber zu einer Durchmesser- und damit zu einer Geschwindigkeitsveränderung an der Schweißstelle (Gleichlauf!) führen musste. Man hatte daher darauf zu achten, dass die Schweißfugen der Kunststoffriemen immer gegeneinander versetzt liefen. Beim Betrieb konnte man auch sehen, dass die Riemen ihrerseits sinusförmig zu schwingen begannen, demnach durch ihren eigenen Betrieb bereits für eine Beeinträchtigung des Gleichlaufes sorgten. Ein oder zwei Riemen hätten also für einen halbwegs gleichmäßigen Lauf niemals hingereicht. Es ist letztlich beeindruckend, mit welch vielschichtigen Mitteln hier ein Konstrukteur versuchte, den Eigenschaften eines Dreimotoren-Laufwerks nahezukommen, allerdings ohne es zu erreichen....

Mein Vater hatte das Gerät im Spätherbst-Frühwinter 1952 oder 1953 bei der Firma XY in Nürnberg erworben...