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Phono-Rex von Max Ihle 6

Besuch in Grundmühle

Der Bahnhof von Marktschorgast (Gipfelpunkt der "Schiefen Ebene") liegt an der
höchsten Stelle des Ortes, den wir von Hof aus erreichten. 

Man geht vom Bahnhof
aus in angenähert nördlicher Richtung (Karte s.u.) den oberen Markt
hinunter, dessen Bausubstanz durch die zumeist datierten Türstürze der Zeit nach
dem Stadtbrand 1840 zuzuweisen ist, bis man die katholische Kirche
(architektonisch interessanter, zweischiffiger Bau um 1500, jedoch mit einem
gräulichen Gartenzaun von Orgel) des Ortes passiert hat. Daraufhin wendet man
sich für 200 m etwa westlich und hat in dem Augenblick, in dem sich die Straße
wieder nach Norden wendet, den Ort schon fast verlassen. Im Blick zurück
fällt im Kirchenensemble der barock-stattliche, mehrstöckige Pfarrhof
auf, der von Johann Michael Küchel stammt, der als Architekt und
Architekturtheoretiker in den Diensten der Schönborn (Würzburg, Pommersfelden,
Mainz) im 18.Jhdt. von einigem Einfluss war.

Während sich die Straße ("Verbot für Kraftfahrzeuge ab Grundmühle", liest man)
nun wieder langsam gen Westen wendet, gelangt man in den Wald, der von der
Schorgast durchflossen wird, die wiederum unmittelbar nach dem Passieren der
Talmühle (heute im Besitz eines Malermeisters...) die Straße unterquert. Hier
herrscht abgesehen vom Plätschern der Schorgast (und ihrer durch die Mühlen
bedingten Ab- und Umleitungen) völlige Ruhe, durch die nur gelegentlich ein
Makrofon eines der Triebwagen auf der südlich hinter dem Hügel verlaufenden
Bahnlinie dringt.


Wenige Meter weiter wird man dann der ersten Bauten des Grundmühl-Ensembles
ansichtig, das von Marktschorgast aus sich zunächst in einem linker Hand
liegenden, wohl ehemaligen Forsthausgebäude, dann aber auch durch die
Industriebauten präsentiert. Zudem liegt etwas in westlicher Richtung über die
ehemals von Ihle genützten Bauten hinaus ein früher stattliches Restaurant, das
heute aber ruinös dem Verfall preisgegeben ist.


Blickt man nun wieder zurück, sieht man auf ein dreigeschossiges (+
Mansardenausbau) wohnhausartiges Gebäude, das gegen 1870 entstanden sein mag,
und unterhalb dessen auf das allerdings seit Anfang der 70er Jahre
offensichtlich mehrfach und nachhaltig umgebaute Fabrikgebäude Max Ihles. Ob die
auch hier gewählte Farbkombination 'phonorex-elfenbein' vs. 'phononrex-braun'
(vgl. Kulmbach) als 'Leitfossil' oder Zufall anzusehen ist, müsste man klären.


Restaurant und großes Wohngebäude fallen im Zusammenhang mit Mühle und
Topografie auf. Die Umgebung von Marktschorgast hatte Kupferbergbau, dessen Ende
man aber sicher schon für das 19. Jhdt. annehmen muss. Weiterhin schließe ich
nicht aus, dass der über Marktschorgast führende historische Fahrweg von
(Neuenmarkt-)Wirsberg nach Gefrees natürlich entlang der Schorgast verlief und
damit die Grundmühle passierte, um die für den Pferdegespannverkehr teuren und
gefährlichen Neigungswechsel zu vermeiden (die berühmte "Schiefe Ebene" der Bahn
zwischen Neuenmarkt-Wirsberg und Marktschorgast besitzt Maximalsteigungen
jenseits von 25 Promille).

Die Grundmühle war demnach wohl nicht nur eine Mühle (Hammermühle zur
Kupferverarbeitung?), sondern auch eine Pferdewechselstation mit
Beherbergungsbetrieb. Dafür sprechen auch stallartige Fluchten (vgl. Anker in
der Seitenwand) im Untergeschoss jenes Wohnhauses, die heute jedoch als
Lagerparzellen der Hausbewohner zugebaut sind.

Damit war natürlich eine traditionelle Gewerbenutzung eingeführt, die wohl auch
Max Ihle in dieses sicher damals schon abgelegene Tal der Schorgast brachte,
denn Marktschorgast ist ansonsten bis heute nahezu industriefrei.
Seit Ihles Zeit wurden -wie oben schon angedeutet- diverse Baulichkeiten
angefügt, die anhand der Fotografien leicht zu identifizieren sind.

Der anderthalb-geschossige Bau, der wohl ursprünglich der Mühle oder der
Metallverarbeitung gedient haben mag, dürfte wohl die eigentliche Heimstatt des
Phonorex sein.

Es fällt ins Auge, dass der schorgastseitige Gebäudeteil keine
Dachgauben mehr und zudem eine Eterniteindeckung aufweist. Dies rührt -gemäß der
im Internet zugänglichen Chronik der Feuerwehr des Nachbarortes Wasserknoden
(http://www.wasserknoden.de/geschichte/chronik/chronik.htm) sicher daher, dass
1971 -also länger nach Ihle-  "in der Grundmühle der Dachstuhl einer Fabrik"
brannte, was vermutlich diesen Gebäudeteil betraf.

Hier also nun, in dieser Landschaft, die dem Freischütz Carl Maria von Webers
entsprungen sein könnte, spulte der Phonorex seine ersten Bänder, an einem Ort,
an dem die Welt heute -weiß Gott- mit Brettern vernagelt ist, wurden
Tonkopfspiegel geläppt; ein Verlassen des Tales war nur in einer Richtung
möglich: in die Welt hinaus.

<Ende Seite>