Seite
95Koaxiale Tonbandgeräte
'Doppeldecker'
Teil -1-
![]()
Bereits der geniale Herr Poulsen konstruierte zwei grundsätzliche Anordnungen der Abwickel- und Aufwickelspulen bei Magnettongeräten: die ko-planare und die ko-axiale Gruppierung der Spulen zueinander. Die ko-planare Bauweise - die beide Spulen liegen auf zwei Achsen nebeneinander - ist ja die übliche und weithin bekannte. Dagegen sind bei koaxialen Magnettongeräten die Tonträgerspulen übereinander angeordnet. Die Spulen werden dabei von zwei ineinander und unabhängig voneinander laufenden Achsen angetrieben. Solche Geräte wurden kaum in größeren Serien hergestellt. Nur die frühen Spulen-Videorecorder basierten fast ausschließlich auf diesem, für die Videoaufzeichnung recht vorteilhaften Bauprinzip .... aber das ist eine andere Geschichte. Fast alle koaxialen Tonbandgeräte sind in der kurzen Zeit von Ende der 50er bis Ende der 60er Jahre gebaut worden. Von Beginn an eine Minderheit, wurde ihr Erscheinen auf dem Markt kaum bemerkt - leider ihr ebenso leises wie schnelles Verschwinden auch nicht. Heute sind solche Geräte allesamt gefragte Sammler - Raritäten.
![]()
Das Drahttongerät "Brusch Model BK-303", eine amerikanische Konstruktion aus den 40er Jahren, greift das koaxiale Bauprinzip in etwas abgewandelter Form auf.





![]()
In der Frühzeit der Amateur - Tonbandgeräte wimmelte es vor seltsamen Zwitterwesen, wie z.B. Kreuzungen aus Plattenspieler und Tonbandgerät. Da durfte ein Bausatz für die Umrüstung eines Plattenspielers zum koaxialen Bandgerät nicht fehlen.
Grundlegende technische Fragen wie Bandführung, Rückspulen oder gar Gleichlauf ließen sich so wohl kaum zufriedenstellend lösen.



![]()











Anzeigen englischsprachiger Fachzeitschriften bestätigen, das ein prinzipiell baugleiches Gerät (siehe auch Schaltplan) als "Countess" in England verkauft wurde.
Abgesehen von den Gehäusefarben und dem Verkaufspreis ("Timbra" £93, "Countess" 1961 für £31!) liegt der wesentlichste Unterschied bei den Bandgeschwindigkeiten. Während sie beim "Timbra" 9,5 und 4,75 cm/s betragen, läuft die "Countess" mit 9,5 und 19 cm/s.
Um die Verwirrung komplett zu machen, brachte Anfang der 60er Jahre die unter Radiosammlern bekannte belgische Firma ACEC diesen Typ auch noch als "Lugavox 1158" (9,5 und 4,75 cm/s) heraus ...... ließ man vorher vielleicht in Holland bauen?


Technische Daten (Timbra):
Motoren: 3 Hysterese Motoren (von EMI)
1 Tonwellenmotor
2 Wickelmotoren in einem Gehäuse (!), mit
koaxialen Motorachsen, Direktantrieb der Auf- bzw.
Abwickelteller
Wow / Flutter: 0.2% - 0.25%
Frequenz: 60 - 12000 Hz, 9,5 cm/s; 60 - 8000 Hz, 4,75 cm/s (+/-3 dB)
Umspulzeit: 35 - 40 Sekunden
Verstärker: 2,5 Watt
Röhren: EL 95; EL 84, 2 X ECC 83, EM 71
Halbleiter: Germanium Diode, B 250 / C 75 Selen-Gleichrichter
Lautsprecher: Permanent Magnet, 6 Ohm
Anschlüsse: Radio 300 mV 500 kOhm, Mikrofon 2 mV an 500 kOhm
Abmessungen: 33,5 X 29,8 X 19, 7 cm
Gewicht: 13,6 kg