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Koaxiale Tonbandgeräte
'Doppeldecker'
Teil -1-

Bereits der geniale Herr Poulsen konstruierte zwei grundsätzliche Anordnungen der Abwickel- und Aufwickelspulen bei Magnettongeräten: die ko-planare und die ko-axiale Gruppierung der Spulen zueinander. Die ko-planare Bauweise - die beide Spulen liegen auf zwei Achsen nebeneinander - ist ja die übliche und weithin bekannte. Dagegen sind bei koaxialen Magnettongeräten die Tonträgerspulen übereinander angeordnet. Die Spulen werden dabei von zwei ineinander und unabhängig voneinander laufenden Achsen angetrieben. Solche Geräte wurden kaum in größeren Serien hergestellt. Nur die frühen Spulen-Videorecorder basierten fast ausschließlich auf diesem, für die Videoaufzeichnung recht vorteilhaften Bauprinzip .... aber das ist eine andere Geschichte. Fast alle koaxialen Tonbandgeräte sind in der kurzen Zeit von Ende der 50er bis Ende der 60er Jahre gebaut worden. Von Beginn an eine Minderheit, wurde ihr Erscheinen auf dem Markt kaum bemerkt - leider ihr ebenso leises wie schnelles Verschwinden auch nicht. Heute sind solche Geräte allesamt gefragte Sammler - Raritäten.

Drahttongeräte

Bereits beim Stille - Drahttongerät, Mitte der 20er Jahre ist die koaxiale Spulenanordnung zu finden. Es lief mit 1,2 - 2m/s und wurde experimentell sogar für Musikaufzeichnungen verwendet.

Das Drahttongerät "Brusch Model BK-303", eine amerikanische Konstruktion aus den 40er Jahren, greift das koaxiale Bauprinzip in etwas abgewandelter Form auf.

Patente

Eine Auswahl von Patent- und Gebrauchsmusterzeichnungen zeigt die verschiedensten Möglichkeiten der technischen Auslegung des koaxialen Grundprinzips bei Magnettongeräten.



Eigenbauten

In der Frühzeit der Amateur - Tonbandgeräte wimmelte es vor seltsamen Zwitterwesen, wie z.B. Kreuzungen aus Plattenspieler und Tonbandgerät. Da durfte ein Bausatz für die Umrüstung eines Plattenspielers zum koaxialen Bandgerät nicht fehlen. Grundlegende technische Fragen wie Bandführung, Rückspulen oder gar Gleichlauf ließen sich so wohl kaum zufriedenstellend lösen.

Ein versierter Bastler gab sich mit so simplen Lösungen nicht zufrieden und stellte bereits 1955 in der "Funkschau" ein koaxiales Eigenbau - Tonbandgerät vor. 1958 erschien dann sein ausführlicher Bauplan - eine ausgereifte Konstruktion mit allen Funktionen serienmäßig hergestellter Tonbandgeräte und mit technischen Daten auf der Höhe der Zeit.

Timbra , Countess und Lugavox

Als Ende 50er Jahre mit Stereo, Hifi und anderen technischen Raffinessen das Tonbandgerät als technisch ausgereizt galt und die endgültige Form mit nebeneinander liegenden Spulen für immer gefunden schien, brachte eine bis heute nicht genau bekannte Firma in Holland mit dem "Timbra", eines der ungewöhnlichsten Tonbandgeräte auf den Markt. Es gibt Berichte, wonach der Hersteller dieses Gerät nur entworfen und gebaut hat, um seine Fertigungskapazitäten während einer Konjunkturflaute zu behalten ... echt oder ein cleverer Marketing-Trick? Im "Radio Bulletin", Okt. 1961 fand sich die Notiz, das "... das Timbra bereits einige Jahre für den Export hergestellt wird und nun auch in Holland auf den Markt kommt." Der Gebrauch von übereinander liegenden Spulen, machte eine relativ kleine Bauform, selbst bei Benutzung von 18 cm Spulen möglich.

Das recht hohe Gewicht ist eine Folge des robusten Gehäuses, der großen und schweren Transformatoren und Motoren. Deren guter Gleichlauf und schnelle Umspulzeiten sind erstaunlich. Das Mono - Tonbandgerät hat drei Köpfe. Der Abhörkopf ist für die Überwachung der Aufnahmen mit einem separaten Verstärker ausgestattet.

Der Aufnahmepegel wird mit einem grünen "magisches Auge" (EM 71) angezeigt. Neben einem Tonhöhen- und Lautstärkeregler gibt es die üblichen Bedienelemente: Netzschalter, Motor ein/aus, Start - Stop Schalter, Geschwindigkeiten-Umschalter, Mikrofon Aufnahme - Regler und eine mechanische Banduhr. Anschlüsse gibt es für Radio, Phono, Mikrofon sowie für externen Lautsprecher bzw. Verstärker (mit Ausschalter).








Anzeigen englischsprachiger Fachzeitschriften bestätigen, das ein prinzipiell baugleiches Gerät (siehe auch Schaltplan) als "Countess" in England verkauft wurde.

Abgesehen von den Gehäusefarben und dem Verkaufspreis ("Timbra" £93, "Countess" 1961 für £31!) liegt der wesentlichste Unterschied bei den Bandgeschwindigkeiten. Während sie beim "Timbra" 9,5 und 4,75 cm/s betragen, läuft die "Countess" mit 9,5 und 19 cm/s.

Um die Verwirrung komplett zu machen, brachte Anfang der 60er Jahre die unter Radiosammlern bekannte belgische Firma ACEC diesen Typ auch noch als "Lugavox 1158" (9,5 und 4,75 cm/s) heraus ...... ließ man vorher vielleicht in Holland bauen?

Technische Daten (Timbra):
Motoren: 3 Hysterese Motoren (von EMI)
1 Tonwellenmotor
2 Wickelmotoren in einem Gehäuse (!), mit
koaxialen Motorachsen, Direktantrieb der Auf- bzw.
Abwickelteller
Wow / Flutter: 0.2% - 0.25%
Frequenz: 60 - 12000 Hz, 9,5 cm/s; 60 - 8000 Hz, 4,75 cm/s (+/-3 dB)
Umspulzeit: 35 - 40 Sekunden
Verstärker: 2,5 Watt
Röhren: EL 95; EL 84, 2 X ECC 83, EM 71
Halbleiter: Germanium Diode, B 250 / C 75 Selen-Gleichrichter
Lautsprecher: Permanent Magnet, 6 Ohm
Anschlüsse: Radio 300 mV 500 kOhm, Mikrofon 2 mV an 500 kOhm
Abmessungen: 33,5 X 29,8 X 19, 7 cm
Gewicht: 13,6 kg